Heißes Blut. - Gabriele D'Annunzio - Страница 1 из 65


flimmerte die sandige Piazza. Die weißgetünchten
Häuser umher glänzten eigentümlich metallisch und
glühten wie die Wände eines erlöschenden Ofens. Die
Steinpilaster der Kirche waren vom Widerschein der irisierenden
Wölkchen rotgefärbt. Die Verglasungen funkelten, als ob es
im Innern lichterloh brenne. Die Bildnisse und Ornamente schienen
belebt, voller Kolorit und Bewegung. Mächtig und
übergroß in der seltsamen, phänomenalen
Abendbeleuchtung, beherrschte das große Gebäude die
Häuser der Radusaner. Gruppen von gestikulierenden und
schreienden Männern und Frauen durcheilten die nach der Piazza
führenden Straßen. Alle erfüllte eine
abergläubische, wachsende, bis ins Ungeheure sich steigernde
Angst vor dieser nie gesehenen Himmelsfärbung, und in tausend
Schreckbildern von Strafen des Himmels erging sich die Phantasie
dieser Menschen, die von keiner höheren Kultur berührt
waren. Geschwätz, hartnäckiges Streiten, Klagen,
Verwünschungen, Gebete, Geschrei mischten sich wild durcheinander
und glichen dem Grollen des Donners, ehe das Gewitter losbricht.
Seit mehreren Tagen schon überzog nach Sonnenuntergang diese
blutige Röte das Firmament, beleuchtete gespenstisch die
träumende Ferne, drang in die Stille der Nacht und erregte das
Gebell der Hunde. Am Eingang der Kirche, um einen Pilaster
gedrängt, stand eine Gruppe und unterhielt sich mit
gedämpfter Stimme. Dann winkten einige und riefen: Giacobbe!


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