Bis an die Grenze - Grazia Deledda - Страница 1 из 327


  München, 1910 Süddeutsche Monatshefte G. m. b.
H. Autorisierte Übersetzung von E. Müller-Röder.
  Alle Rechte vorbehalten.
Erster Teil.
I. Im Juli des Jahres 1890 beendete Gavina Sulis ihre
Schulstudien. Ihr Vater, ein ehemaliger Wegebauunternehmer und
ein recht verständiger Mann, hatte sie die vierte Elementarklasse
wiederholen lassen, weil es in der kleinen Stadt keine höhere
Mädchenschule gab. Als sie nach der Prüfung nach Hause
ging, überlegte sie bei sich, daß die Tage der Freiheit und
Muße nun für sie zu Ende seien. Sie war beinahe vierzehn
Jahre alt, hielt sich schon für erwachsen und gedachte der Worte
ihres Beichtvaters: »Der Herr hat gesagt, die Frau soll
das Haus hüten und Müßiggang und schlechte
Gesellschaft meiden.« Nun, was die Gesellschaft betraf:
Gavina mied nicht nur schlechten, sondern auch guten Umgang; sie ahmte
darin ihrem Beichtiger nach, der immer allein, mit gesenktem Blick,
dicht an den Mauern entlang einherging. Es war nahezu Mittag.
Als Gavina das Ende der Straße erreicht hatte, wendete sie sich
einen Augenblick zurück und blickte auf das alte Kloster, in dem
die Schulen waren, und auf das melancholische, mit Oleastern und
wilden Birnbäumen bestandene Tal, das sie so manchesmal
von dem vergitterten Fenster ihrer Klasse aus betrachtet hatte.


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