Schilfrohr im Winde - Grazia Deledda - Страница 1 из 275


  Georg Westermann
Braunschweig / Berlin / Hamburg
  I. Den ganzen Tag hatte Efix, der Knecht
der Damen Pintor, an der Verstärkung des dürftigen Dammes
gearbeitet, den er selbst im Wandel arbeitsamer Jahre, am Rande des
kleinen Bauerngutes, längs des Flusses aufgeschüttet hatte;
und nun, bei Einbruch der Dunkelheit, betrachtete er sein Tagewerk aus
der Höhe, vor seiner Hütte sitzend, im Schutze des
blaugrünen Schilfrohrs, das sich am weißen Hang des
Taubenhügels emporzog. Still und friedlich, da und dort von
einem schimmernden Wässerchen geädert, ruht das Gut im
Dämmerschein zu seinen Füßen – dieses Gut, das
Efix mehr als sein Eigentum betrachtet denn als Eigentum seiner
Herrinnen. Dreißig Jahre harter Arbeit ließen ihn eng
damit verwachsen, und die beiden Feigenhecken, die es zu beiden Seiten
einfrieden wie zwei graue, sich allmählich über den Hang zum
Fluß hinabschlängelnde Mauern, erscheinen ihm wie die
Grenzen der Welt. Absichtlich blickte der Knecht nicht über
sie hinaus, da das Land daneben einst auch seinen Herrinnen
gehört hatte. Warum in die Vergangenheit zurückschweifen?
Sinnlose Trauer ... Nein, lieber an die Zukunft denken und auf
des Himmels Hilfe hoffen. Und der Himmel verhieß heuer
eine gute Ernte, ließ die Mandelbäume und
Pfirsichsträucher im Talgrund in üppiger Blüte prangen;


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