Die wissenschaftliche Emancipation der Frau - Hedwig Dohm - Страница 1 из 299


Berlin – Wedekind & Schwieger 1874
Einleitung In Deutschland für die politischen Rechte der
Frauen zu kämpfen, mag vorläufig eine Thorheit, eine
radikale Anticipation der Zukunft sein. Neue Gedankensaaten, in einen
Boden gestreut, der nicht vorbereitet ist, sie zu empfangen, tragen
keine Frucht, und wer die Früchte seines Strebens und
Kämpfens erndten will, der befolge den Grundsatz praktischer
Leute: nur das Erreichbare zu wünschen. Für die
Anhänger des Frauen-Stimmrechts mag die Erkenntniß ein
Trost sein, daß diejenigen Reformen, diejenigen socialen
Umgestaltungen, welche die eine Generation mit Widerwillen von sich
stößt, oft schon die nächste mit Begeisterung
willkommen heißt. Weil wir nun gern zu den praktischen
Leuten zählen möchten, wollen wir heute nicht an die Pforten
der Parlamente klopfen, sondern an ein anderes Thor: an das Thor des
Tempels der Wissenschaft, der Universität. In welchem
Maße Deutschlands Männer der Vorstellung eines mit
politischen Rechten bekleideten Volkes (die Frauen eingeschlossen)
abgeneigt sind, mag folgendes Beispiel beweisen: Kaum hatte
meine letzte Schrift, die unter Anderem vom Stimmrecht der Frauen
handelt, den Druck verlassen, so erschien in einer gelesenen Leipziger
Zeitung, »Leipziger Tageblatt«, eine kurze Besprechung
derselben von einem Herrn Wistling, in der folgender Passus vorkommt:
»Im Anhange tritt die Schrift ein für das Stimmrecht der


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