Das königliche Spiel - Jakob Julius David - Страница 1 из 26


»Also. Belieben Sie. Nämlich.« Er hob das Haupt und
wies mit einer herrischen Gebärde nach dem Brett, wo sich eben
eine klare Mattstellung ergeben hatte. Dabei richtete er sich auf der
bis dahin lässig und vorgeneigt gesessen, und glättete mit
der Linken sein Haar, das in widerspenstiger und weißer
Fülle um das eckige Gesicht hing. Bart und Augen waren noch
schwarz und jung. In den Blicken lag eben eine solche
Überlegenheit, ein so heftiges Siegergefühl, daß es
merkwürdig war. Denn er hatte just keinen Meister des
königlichen Spieles vor sich gehabt. Ich zahlte. Er strich ohne
Wort den gewonnenen Betrag ein, reichte dem Kellner ein ansehnliches
Trinkgeld, kleidete sich sehr sorgfältig vor dem Spiegel an, und
wir gingen. Es war gerade die Stunde, in der die Kaffeehäuser zu
veröden beginnen. Die Soliden sind schon heim, und die
Nachtschwärmer rücken erst später ein. Nur noch eine
Schachpartie war im Gange. Um den runden Tisch im Säulensaal, der
sich so schön in spitzen Bögen emporhebt, saßen noch
Zeitungsleser. Er griff nach einem illustrierten Blatt und
überflog kopfschüttelnd die Schachspalte. Ich wartete. Es
war sehr still. Nur ein unbewachter Kellner versuchte allerhand
Kunststöße auf dem Billard, und die Bälle klappten
hart und bestimmt aneinander. Sonst war's müde, graue und
schläfrige Zeit. Wir schritten gemeinsam durch stille und
winkelige Gassen der inneren Stadt einem kleinen Wirtshause zu. Das


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