Der Übergang - Jakob Julius David - Страница 1 из 215


Erstes Kapitel Die Adam-Mayer-Gasse Die Gasse ist breit
und ansehnlich genug. Nur sehr still ist sie. Man merkt in ihr wenig
vom Verkehr und von der Betriebsamkeit, die sonst gerade in diesem
Bezirk heimisch sind und sich immer noch behaupten. Uniforme
Häuser bilden sie: ein- oder höchstens zweistöckig.
Ohne jeden Stil; man erkennt gleichzeitige Entstehung aus einem
Willen. Aber sie sind tüchtig und für gute Dauer
aufgemauert. Jedes hat einen tiefen Hof mit einigen Bäumen darin,
die fröhlich gedeihen. Man wohnt wohlfeil da, und ein Wechsel der
Parteien, wenn nicht eine völlig verdirbt, ist unerhört.
Geschlecht nach Geschlecht verbringt hier seinen stillen Tag. Sie
merken wenig vom Gang der Dinge, deren Wandel sie doch lebhaft genug
berührt. Denn einmal war hier ein allgemeiner Wohlstand zu Hause
gewesen. Eine rastlose Betriebsamkeit herrschte, und sie arbeiteten
sämtlich für den einen, der die Gasse erbaut. Das war
vorüber. Der Handel suchte sich einen anderen Pfad, ließ
sie links liegen, und man fand sich damit ab, so leidlich es gehen
wollte. Endlich – sein Brot erwarb man immer. Man strich
es einmal dicker, man schnitt es wieder einmal dünner. Am
Kindersegen gebrach es niemals, und in den zahlreichen Höfen
tummelte sich ein kräftiges junges Volk; die Mädchen alle
zierlich, ja hübsch und immer anmutig, meist dunkeläugig bei
blonden Haaren, die Buben derb und rauflustig. Sie hielten zusammen


-10     пред. Страница 1 из 215 след.     +10