Die Hanna - Jakob Julius David - Страница 1 из 74


unversehens ins Haus gekommen. Florian Petersilka erinnerte mich alter
Beziehungen, teilte mir mit, er habe sich nächst Klosterneuburg
in einem einsamen Häuschen eingemietet, und bat mich dringend um
meinen Besuch für nahe Frist. Es war im beginnenden
Spätherbst. Das ist die richtige Zeit für eine bequeme
Wanderung die Donau aufwärts. Und der Mann, der in einer
wunderschönen, weiträumigen, klaren Schrift diese Einladung
an mich ausgehen ließ, stand mir klar genug vor den Augen,
daß mir ein Wiedersehen mit ihm höchst erwünscht sein
mußte. Wir waren gute Kameraden gewesen am Kremsierer
Gymnasium. Das war nun freilich manches liebe und leide Jahr her. Aber
so lange Zeit mit starken Erlebnissen darüber verflossen war, ich
hätte den wunderlichen Gesellen nicht vergessen können, auch
wenn er sich späterhin nicht mir und allen, welche die Kunst
lieben, in der nachdrücklichsten Weise ins Gedächtnis
gerufen hätte. Er war das Kind ganz armer Häuslersleute
aus der Hanna. Und natürlich studierte er also über Wunsch
seiner sehr frommen Mutter, und weil das am billigsten kommt,
»auf geistlich«. Und er war dazumal sehr fromm und
fühlte sich in seiner künftigen Würde nicht wenig und
sprach voll Ernst und Salbung, die seinen heftigen und durch die Kutte
doppelt fahrigen Bewegungen drollig genug widersprachen. Er konnte
sich in einen großen religiösen Eifer hineinreden. Dennoch
traute man ihm nicht so ganz. Seine Flammen schienen gewollt


-10     пред. Страница 1 из 74 след.     +10