Die Tochter Fortunats - Jakob Julius David - Страница 1 из 62


Geschlechtern Ravennas konnte sich kein einziges in irgend einem
Betracht mit den Malespina vergleichen. Ihr Reichtum überstieg
alles Maß; ihr Adel war so alt und ihr Blut so rein, daß
kein anderer Stamm neben ihnen genannt werden durfte. Mit dem Hause
der Da Polenta waren sie nahe verwandt; so teilten sie die Macht der
Gewaltherren, dann freilich auch den allgemeinen Haß, als die
Zwingherrschaft gefallen war und nur noch die Malespina übrig
blieben und alle überragten und allen bedrohlich waren durch die
Größe ihrer Schätze und das Finstere ihrer
selbstgenügsamen Sinnesart, die sie verhinderte, etwas zu tun
oder auch nur zu versuchen, was die Abneigung ihrer Mitbürger
vermindern gekonnt hätte. Am höchsten gestiegen waren
die Habe und das Ansehen des Hauses unter Herrn Guido dem Alten, dem
Schwestersohne Guido da Polentas. Herr Guido hatte sechs Söhne,
von denen der älteste nach ihm benannt war, während der
letzte Fortunatus hieß. Nur diese zwei blieben ihm; fast zu
Männern erblüht, hatte ihm der Tod die anderen genommen. Um
diese nun trauerte er so unmäßig, daß er darüber
lange Zeit nicht achtete, wie zwischen Guido und Fortunatus ein immer
heftigerer Haß mit den Jahren großwuchs. Gleich allen
Malespina hatte auch Herr Guido der Alte ein schweres Herz. Sein Sinn
war vergangenen Leiden verpfändet; die Zukunft erschien ihm immer
bedrohlich, und die Schatten, die sie vorauswarf, verdüsterten so


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