Die Troika - Jakob Julius David - Страница 1 из 67


der Karwoche kennen gelernt. Nun schließt man nirgends so
leicht Bekanntschaft, als in Rom. Nirgends so leicht, so herzlich und
wieder so flüchtig. In einer erhöhten Stimmung, voll
dunkler Ahnungen, Sehnsüchte und Erwartungen betritt man den
Boden der Ewigen Stadt. Als stünde man vor tausend
Erfüllungen. Sie werden doch auch einem jeden. Nur einem jeden
anders, als er sich's vorher gedacht. So verheißt nur noch
das Leben. Und nur noch das Leben selber gibt in ähnlicher Weise
und Fülle. Es kommt alles; nur wider alle Berechnung und gegen
jede Vermutung. Ist es aber einmal da, so begreift man, es hätte
nur so und sonst in keiner Weise in Wirksamkeit treten können und
dürfen, als es geschehen ist. Freilich braucht es manchmal Zeit,
ehe einem diese Notwendigkeit einleuchtet. Und dann hadert man und
möchte verzagen. Vor dem Leben, wie vor Rom. Dazu der
unendliche Zusammenfluß von Menschen in dieser einen Stadt und
just um diese Zeit des Jahres. Sie überfüllen zu gewissen
Stunden den Korso mit ihrem Leben, ihrem nicht immer sehr
rücksichtsvollen Italienisch, ihren fremden Sprachen; benehmen
sich laut und wie zu Hause in den stolzen Palästen der
römischen Nobilität. Und wieder zu andern Stunden
schwärmen sie aus. Sie überfluten die Galerien und
Sammlungen; mit klappenden Tritten verjagen sie die Andacht aus den
Kirchen; sie dringen in die Kampagna und scheuchen die heilige Stille,


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