Schuß in der Nacht - Jakob Julius David - Страница 1 из 22


Mitternacht war ein Schuß gefallen. Ein schrecklicher Schrei war
ihm gefolgt. Das ganze Haus, dies alte, dumpfe Haus mit ausgetretenen
Stufen, mit rundlaufenden Gängen, die in der Luft schwebten, auf
denen eines dem anderen so bequem in die Küche gucken konnte,
hatte er aufgeschreckt. Denn jenes Hin- und Widerlaufen begann
alsbald, das jeder von uns kennt und das mindestens in einem
bösen Traume jeden schon einmal verstört hat. Das
Schloß tat sich auf, Stimmen wirrten durcheinander; aus der
Wohnung, die mit eins überfüllt war, drang Gezeter,
Kreischen, Stöhnen, gelles Aufschreien. Bänglich horchten
die Nachbarinnen, die nicht mehr Raum gefunden, darauf, auf das
Schieben und Heben von etwas Schwerem, sehr Unbeholfenem im Zimmer.
Endlich kam der Arzt; desto mehr drängten sie sich,
verstärkt durch die Fortgewiesenen auf dem schmalen Gang. Da der
junge Mann wieder schied, ruhig, und ohne auch nur mit der Wimper zu
zucken, wußten alle, daß alles vorüber war. Es war so
recht still in der Wohnung geworden – der Mann, der den
Schuß in der Nacht, den Schuß gegen sich abgefeuert, war
tot. Zu Morgen aber trippelten behende Kinderfüßchen um
jene Türe, spähten neugierige Augen, noch größer
als sonst, ob sich der Rumpler Karl nicht angucken, ob sich durch das
grünverhangene Gangfensterchen, durch das unheimliche Dunkel des
Vorzimmerchens, das ihnen jetzt so gespenstig erschien, nicht ein
Einblick in die Stube gewinnen ließe, in welcher der tote Franz


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