Ein alter Afrikaner - Johannes Dose - Страница 1 из 583


das murmelnde Flüßchen, aus allen Gärten und
Baumhainen lugen die schmucken Landhäuser und locken die
weißgedeckten Tische der freundlichen Wirte. Es ist ein
liebliches, trauliches Arkadien, das in seiner sonnenglänzenden
Lenzschöne eitel Friede atmet und stillfröhlich macht. Und
mitten in diesem fröhlich-friedlichen Tal die roten, düstren
Häuser, die von der massigen, glasbestreuten Mauer umgeben sind!
Ja – wie Widersinn und Widernatur – mitten im Grün
der Wiesen, Weiden und Wäldchen, mitten im Blütenschnee der
Lusthäuser und Gärten liegt die finstre, verschlossene
Stätte des Schreckens und Grauens – die große
Strafanstalt F., die einige Tausende der Verlorenen unsres Volks
hinter ihren Gittem beherbergt, bewahrt und bewacht. Man betrachtet
mit scheuem Blick die häßliche Mauer und die eisernen Tore,
man hört keinen Ton noch Laut, es ist eine grabesstille Welt, aus
der kein Schrei noch Fluch dringt. Drinnen schlurfen und schleichen
die lebendig Begrabenen, die bürgerlich Toten, Jetzt klingt
ein Ton, der einzige in dieser Grabesruhe, der Schlüssel
knirscht, die kleine Tür des Eisentores öffnet sich –
ein junger, schlank gebauter, sehr gut, ja elegant gekleideter Herr
verläßt die Anstalt. Nach seiner äußeren
Erscheinung ein hoher Anstaltsbeamter! Aber der säbelbewaffnete
Türhüter, der vor jedem Beamten, je nach Stand und Stellung,
stramm, strammer und – vor dem Direktor – am strammsten


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