Glückliche Verbrecher - Jules Amedée Barbey d'Aurevilly - Страница 1 из 58


Herbstmorgen schenderte ich mit dem Doktor Torty, einem meiner
ältesten Bekannten, durch den Zoologischen Garten. Er war in
meiner Kindheit Arzt in Valognes gewesen und hatte seinen angenehmen
Beruf an die dreißig Jahre ausgeübt. Und als er seine
»Veteranen« – wie er sie nannte – nach und
nach allesamt in das Jenseits befördert hatte, nahm er keine
neuen Patienten mehr an. Er war ergraut und liebte die Freiheit
über alles, wie ein Gaul, der immer am Zügel gegangen ist
und sich schließlich einmal davon losmacht. So war er nach Paris
gekommen und hatte sich dicht beim Zoologischen Garten, wenn ich nicht
irre, in der Cuvier-Straße, niedergelassen. Er übte seine
Kunst nur noch zu seinem Vergnügen aus. Dies war groß, denn
er war Arzt mit Leib und Seele, hervorragend in seinem Fach, zudem ein
feiner Beobachter, und das nicht bloß in physiologischen und
pathologischen Fällen. Sind Sie ihm nicht zuweilen begegnet?
Er war eine kühne Kraftnatur und griff niemanden mit
Glacéhandschuhen an, aus dem sehr einfachen Grunde, weil man
besonders als Arzt die Dinge beim rechten Namen nennen muß. Er
gefiel mir außerordentlich, und wohl gerade wegen der Seiten,
die den anderen am wenigsten behagten. Es stand in der Tat so,
daß die Leute, solange sie gesund waren, diesen derben
Sonderling von Arzt nicht ausstehen konnten. Wurden sie aber krank, so
hatten sie höllische Hochachtung vor ihm, ungefähr wie die


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