Der Marmorbruch - Theodor Däubler - Страница 1 из 47


für ein seltsamer, dichter Staub, der die Pinienstämme im
Wald von Migliarino versilberte, als schiene der Mond? Wie ein
metallisch glänzender Strom schlängelte sich die
Straße durch die Sommernacht, und wenn ein Auto darauf
vorüberglitt, brachen schwere, durchleuchtete Wolken flatternde
Brandbänder ins Gebüsch und übersamteten mit ihren
winzigen glitzernden Kristallen Pinienwedel und Brombeerhecken.
Mario Marin hielt sein Auto an; der Staub hatte die Scheinwerfer
verschleiert und ihnen den klaren Blick genommen. Er stieg aus, putzte
das Glas und wollte gerade wieder ans Steuerrad zurückkehren, als
er im Licht seines Reflektors eine Gestalt erkannte, die stille
zwischen den Stämmen stand. Geblendet schloß der Wanderer
die Augen. Sein Gesicht zog sich in hundert Falten zusammen wie eine
dicke Schnecke, die sich verscheucht in ihr Gehäuse zwängt;
die vielen Runzeln seiner rostbraunen Haut drängten sich um die
fleischige Nase, die fuchsigen Augenbrauen schlängelten sich
unter dem ebenfalls roten Haarbusch hervor, der ihm tief in die Stirne
hing, und die schwere, borstige Oberlippe klemmte sich krampfhaft
unter das Nasenbein. Als der Rotkopf seine kleinen, beweglichen
Augen öffnete, erkannte ihn Mario sofort. Es war Lucidus
Meccherini aus Marina Bassa. »Sie wissen wohl nicht mehr,
wer ich bin?« rief er dem nächtlichen Wanderer zu. Es fiel
ihm auf, daß Lucidus heftig zusammenschrak. »Erinnern


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