Die Königin von Tasmanien - Bruno Ertler - Страница 1 из 107


Ertler Diese Novellen wurden im
Herbst 1917 und im Jahre
1918 geschrieben. Sie sind
meiner Mutter gewidmet. Inhalt:
Dichters Dornenstraße Die Königin von Tasmanien
Der Märtyrer Charakter Tollkirschen
Der Musikant Dichters Dornenstraße
Ich schrieb mein erstes Gedicht in einer geistlichen
Erziehungsanstalt in finsterer Novembernacht beim zuckenden Irrschein
eines Öllichtes, dessen Flackern und Knistern die einzige
eigenwillige Regung in dem langen, ruhevoll atmenden Schlafsaal war.
Außer der Angst, das Ölflämmchen könnte
plötzlich verlöschen und so dem Spinnen meiner Phantasie
rücksichtslos ein Ende machen, hatte ich das Gefühl
aufregenden, durchaus ungehörigen Tuns, das durch nichts zu
entschuldigen, aber auch von keiner Macht aufzuhalten war. Deshalb
verbarg ich das Gedicht am Morgen sorgfältig in meiner
Brieftasche und nahm es die folgenden Tage nur, wenn ich vor jeder
Störung sicher war, heraus, um es mit seltsamen Lustschauern
durchzulesen und wieder zu verbergen. Dabei klopfte mir mein Blut eine
heiße, schamvolle Unruhe in die Schläfen, trotzdem das
Gedicht mit den Worten »Oh, gutes Kind!« begann und in
allen seinen Strophen nicht eine böse Zeile enthielt. Diese
Spannung bekam noch dadurch einen beinahe sündhaften Reiz,
daß ich vor den frommen Brüdern, in deren Hände wir


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