Bebuquin - Carl Einstein - Страница 1 из 60


  Die Dilettanten des Wunders
oder
die billige Erstarrnis.
Ein Vorspiel.
Bebuquin.   Für André Gide

Geschrieben 1906/9   Erstes Kapitel
Die Scherben eines gläsernen, gelben Lampions klirrten auf
die Stimme eines Frauenzimmers: »Wollen Sie den Geist Ihrer
Mutter sehen?« Das haltlose Licht tropfte auf die zartmarkierte
Glatze eines jungen Mannes, der ängstlich abbog, um allen
Überlegungen über die Zusammensetzung seiner Person
vorzubeugen. Er wandte sich ab von der Bude der verzerrenden Spiegel,
die mehr zu Betrachtungen anregen als die Worte von fünfzehn
Professoren. Er wandte sich ab vom Cirkus zur aufgehobenen
Schwerkraft, wiewohl er lächelnd einsah, daß er damit die
Lösung seines Lebens versäumte. Das Theater zur stummen
Ekstase mied er mit stolz geneigtem Haupt: alle Ekstase ist
unanständig, Ekstase blamiert unser Können, und ging
schauernd in das Museum zur billigen Erstarrnis, an dessen Kasse eine
breite verschwimmende Dame nackt saß. Sie war so breit,
daß sie nicht etwa auf einem Stuhl saß, sondern auf ihrem
schwermütigen, weit ausgedehnten Posterieur. Sie trug einen
ausladenden gelben Federhut, smaragdfarbene Strümpfe, deren
Bänder bis zu den Achselhöhlen reichten und den Körper
mit nicht zu aufregend vibrierenden Arabesken schmückten. Von
ihren Seehundhänden starrten rote Rubinen senkrecht: »Guten


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