Auf der Wegwacht - Emil Ertl - Страница 1 из 563


Eine schwarzgekleidete Frau, in noch jugendlicher Fülle
blühend, saß in dem kleinen Kontor am Schreibtisch, ein
schweres kaufmännisches Buch vor sich, und reihte mit ihrer
leichten, heiteren Schrift Eintragungen geschäftlichen Inhalts
aneinander. Emsig und akkurat füllte sie die steilen Kolonnen mit
Zahlen, die sie aus geschichteten Papieren ablas, und wenn ihrer genug
auf einer Seite standen, so zog sie mit dem Lineal einen waghalsigen
Strich aus Tinte darunter und zählte zusammen. Hierauf
übertrug sie das Ergebnis stracks oben auf das nächste Blatt
und machte sich vergnüglich daran, Stufe für Stufe von der
gewonnenen Höhe wieder herabzusteigen, auf den Leitersprossen der
vorgezeichneten Linien. Eben im Begriffe, eine neue Zeile zu
bezwingen, stutzte sie ein wenig – aber bloß einen
Augenblick, fuhr dann rasch mit Schreiben fort und sagte, ohne
aufzusehen: »Hundertdreißig Ellen, das wär' sonst gar
nicht übel; nur komisch – jedesmal, wenn ich eine Dreizehn
hinschreiben soll, so gibt's mir einen kleinen Stich.«
»Wenn ohnedies eine Null hintendran steht!« sagte in
seiner borstigen Art Herr Baudrillard, an den diese Worte gerichtet
waren. »Es bleibt halt doch eine Dreizehn,« meinte die
junge Frau, während sie bedächtig die Feder über dem
Tintenfasse ausschnellte. Und leise in sich hineinlachend, weil sie
wußte, daß Herr Baudrillard jetzt wütend war, beugte
sie sich wieder über ihren Folianten. Herr Baudrillard, der


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