Die Leute vom Blauen Guguckshaus - Emil Ertl - Страница 1 из 513


Meiner lieben, guten Mutter zugeeignet Durch
die stillen Gassen bin ich wieder einmal gegangen, in denen ich meine
ersten Jugendträume träumte, und durch die ganze friedliche
Vorstadtgegend, wo ich geboren und aufgewachsen bin, und die ich
liebe, wie man nur seine Heimat lieben kann, so unscheinbar und wenig
bemerkenswert sie auch sein mag. Es war ein holder
Frühlingsabend, und die sinkende Sonne spiegelte sich und
glühte in den Fenstern der alten, schmucklosen Häuser, die
dort noch stehen, eingezwängt freilich zwischen vereinzelten
hohen und stattlichen Neubauten, sonst aber unverändert und von
demselben bescheidenen Aussehen wie zur Zeit, da die Seidenweber vom
Schottenfeld ihre Schütze noch aus der Hand durch die Kette
warfen. Goldene Fluten warmdurchsonnter Luft ergossen sich in breiten
Strömen durch die einsamen Straßen, und in ihrem
verklärenden Scheine grüßten mich aus den langen
Zeilen städtischer Wohngebäude auch die altvertrauten
stillen Häuser, in denen meine Großeltern und deren
Väter und Großväter gelebt haben, und hinter deren
wenig ansehnlichen Mauern sie aus den schimmernden Fäden des
Seidenspinners auf großen hölzernen Handwebstühlen
kunstvolle Gewebe verfertigten, Bänder und Zeuge, schwere und
leichte, glatte und gemusterte. Denn alle meine Vorfahren, so weit ich
von ihnen weiß, sind Seidenweber gewesen, und alle betrieben
sie, ebenso wie viele andere ihrer Zunftgenossen, ihr


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