Handbüchlein der Moral - Epiktet - Страница 1 из 62


Macht, andere hingegen nicht. In unserer Macht sind Urteil,
Bestrebung, Begier und Abneigung, mit einem Wort alles das, was
Produkt unseres Willens ist. Nicht in unserer Macht sind unser Leib,
Besitz, Ehre, Amt, und alles was nicht unser Werk ist. Was in unserer
Macht ist, ist seiner Natur gemäß frei, kann nicht verboten
oder verhindert werden; was aber nicht in unserer Macht steht, ist
knechtisch, kann verwehrt werden, gehört einem anderen zu.
Deshalb bedenke, daß du Hinderung erfahren, in Trauer und Unruhe
geraten, ja sogar Götter und Menschen anklagen wirst, wenn du das
von Natur Dienstbare für frei und das Fremde für dein eigen
ansiehst. Hältst du dagegen für dein Eigentum nur, was
wirklich dein eigen ist, und betrachtest das Fremde als fremd, so wird
dich niemand jemals zwingen oder hindern; du wirst niemanden anklagen
oder beschimpfen, und nicht das geringste mit Widerwillen tun; niemand
kann dir schaden; du wirst keinen Feind haben, und nichts, was dir
nachteilig sein könnte, wird dir begegnen. Willst du nun
aber nach so großartigen Dingen trachten, so bedenke, daß
du sie nicht bloß mit mittelmäßigem Ernste angreifen,
sondern manches gänzlich aufgeben, anderes einstweilen
hintansetzen mußt. Wenn du jene Dinge erstrebst, gleichzeitig
aber in hohen Ämtern stehen oder reich sein willst, so wirst du
wahrscheinlich diese letzteren Güter nur um so weniger erreichen,
weil du eben zugleich nach den ersteren begehrst. Ganz sicher aber


-10     пред. Страница 1 из 62 след.     +10