Fürst Arno - Ernst Eckstein - Страница 1 из 19


Brüggstorm, der Zeremonienmeister Seiner Durchlaucht des
regierenden Fürsten Arno von Gleiberg, atmete schwer und tief. Er
befand sich im Zustand einer ganz ungewöhnlichen Aufregung. Die
Arme straff über der Brust gekreuzt, die Stirne mißmutig
gerunzelt und die Nüstern gebläht, so wandelte er im
hochroten Ecksaal des Residenzschlosses auf und nieder, während
Fürst Arno drüben im Arbeitsgemach den langwierigen Vortrag
seines Premierministers entgegennahm. Baron Brüggstorm hatte
gestern in später Abendstunde eine verblüffende Nachricht
empfangen. Der Geheimrat Stirlay, Mitglied der ersten Kammer, Direktor
des fürstlichen Familienarchivs und Vorsitzender des
konservativen Klubs, hatte ihm beim Verlassen der Breslauerschen Villa
im Ton herbster Mißbilligung erzählt, der neue Inhaber des
Schlossergeschäfts Bergstraße Numero zwanzig, der vor
etlichen Tagen von Frankfurt nach Gleiberg übergesiedelt war,
zeichne sich durch eine merkwürdige, geradezu peinvoll
berührende Eigenschaft aus ... Er sehe nämlich dem
Fürsten so überraschend ähnlich, daß die banale
Redensart »wie ein Ei dem andern« hier sich von selbst auf
die Lippen dränge. Der Ausdruck natürlich und die gesamte
Art des Gebarens lasse den Abstand erkennen, der den
»ungebildeten Handwerker« von dem »erhabnen
Staatsoberhaupt« trenne. Immerhin bleibe noch so viel
Übereinstimmung übrig, daß die Sache sehr wohl
geeignet sei, die loyale Bevölkerung der fürstlichen Haupt-


-10     пред. Страница 1 из 19 след.     +10