Nero - Ernst Eckstein - Страница 1 из 603


vorliegende Roman stellt sich die Aufgabe, seinen Lesern zu schildern,
wie und durch welche Momente sich der ursprünglich so milde,
unverdorbene, groß und edel veranlagte Nero in das
übermenschliche Ungeheuer verwandelt hat, von dem uns die alten
Autoren so unbegreifliche Dinge erzählen. Aus dieser Absicht
ergibt sich naturgemäß die umfassendere Behandlung der
einzelnen Entwicklungsstadien im Vergleich mit den Ausschreitungen des
fertigen Missethäters. Sobald der Cäsar den Höhepunkt
seiner Entartung erreicht hat, ist unser Problem der Hauptsache nach
gelöst; nur die Entsühnung, falls eine solche möglich
erscheint, reizt noch unser künstlerisches Interesse. Dies
zur Vorbemerkung für solche Leser, die, verführt durch die
herkömmliche Betrachtung dieses Charakters, vielleicht eine
breitere Ausmalung des Schauderhaften und Widerlichen erwartet haben.
Noch sei hier erwähnt, daß die Ereignisse, die sich in
Wahrheit auf einen erheblich längeren Zeitraum verteilen, aus
leicht ersichtlichen Gründen zusammengedrängt worden sind.
Auch sonst finden sich kleine Abweichungen von der Chronologie, die
nicht über Gebühr auffallen werden. Für diese und
andere Punkte – insbesondere für die innere Motivierung der
geschichtlichen Vorgänge – nehme ich
selbstverständlich ganz die gleiche Freiheit in Anspruch, die der
Dramatiker, einem historischen Stoff gegenüber, längst als
sein unbestreitbares Recht betrachtet. Uebrigens wird ein genaueres


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