Streifzüge durch Celebes - Ferdinand Emmerich - Страница 1 из 237


roter Ball am Firmament. Unter ihren senkrechten Feuerstrahlen kochte
die See und sandte blendende Reflexe von goldrotem Metallglanz
über die menschenleere Marina. Die Perle Siziliens, Messina,
schlief. Was nur irgendwie von seiner täglichen
Beschäftigung sich freimachen konnte, floh die um diese Stunde
unerträglich heißen Straßen und suchte Kühlung
in dunklem Schatten. Seit zwei Stunden, war ich obdachlos. Meine
Universitätsstudien hatten vor wenigen Tagen ihren
glücklichen Abschluß gefunden, und nun lenkte ich meine
Schritte wieder hinaus in das schaffende Leben. Vor der deutschen
Bierhalle erwartete ich die Abfahrt des Trajektschiffes, das die
Inselbewohner über die Meerenge nach Reggio di Calabria bringt.
Dort verschlingt sie der martervolle Eisenbahnzug, um ihnen in
achtundzwanzigstündiger Reise die Herrlichkeiten des Golfes von
Neapel zugängig zu machen. Mit geheimem Schauder dachte ich an
die Tantalusqualen, die meiner in den sonnedurchglühten, engen
Waggons harrten. Da tönte lautes, fröhliches Lachen
durch die Stille. Aus einer Seitenstraße bogen vier
kräftige Männer auf die Marina und warfen sich ächzend
in die Sessel vor der Bierhalle. »Junge, Junge, dat is man
bannig warm hüt!« rief der eine in echtem Hamburger
Plattdeutsch. Ehe noch jemand darauf antworten konnte, stand ich
vor ihnen und – wäre vor freudigem Erstaunen beinahe
sprachlos geworden. »Sutor! Lieber alter Freund, sehen wir


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