Die Frau Bürgemeisterin - Georg Ebers - Страница 1 из 414


hatte der Lenz frühzeitig seinen fröhlichen Einzug in die
Niederlande gehalten. Der Himmel war blau, Mücken spielten im
Sonnenlicht, weiße Falter hefteten sich an neuerblühte
goldgelbe Blumen, und neben einem der vielen die weite Ebene
durchschneidenden Wassergraben stand ein Storch und schnappte nach
einem stattlichen Frosch; da zappelte der arme Gesell in dem rothen
Schnabel des Feindes. Ein Schluck: – der muntere Springer war
verschwunden und sein Mörder regte die Flügel und schwang
sich hoch auf. Ueber Gärten und Gärtchen mit blühenden
Obstbäumen, zierlich abgezirkelten Beeten und bunt bemalten
Lauben, über den unfreundlichen Kranz der die Stadt
umgürtenden Festungsmauern und Thürme, über schmale
Häuser mit hohen zackigen Giebeln, über saubere
Straßen, an deren Seiten Ulmen, Pappeln, Linden und Weiden im
frischen Schmuck des Frühlings grünten, flog der Vogel
dahin. Endlich ließ er sich auf einem Ziegeldache nieder. Hier
stand auf dem First sein wohlbefestigtes Nest. Nachdem er seinen Fang
großmüthig dem brütenden Weibchen überlassen,
stellte er sich auf das rechte Bein und schaute nachdenklich auf die
Stadt hernieder, die dort unter ihm auf dem grünen Sammetteppich
der Wiesen in leuchtendem Ziegelroth blink und blank aufgebaut stand.
Er kannte sein schönes Leyden, die Zierde Hollands, seit manchem
Jahre. Mit all' den Armen und Aermchen des Rheins, die den stattlichen
Ort in zahlreiche Eilande zerlegten und über die sich so viele


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