Die Gred - Georg Ebers - Страница 1 из 618


»Pietro Giustiniani, der Kaufmann von Venedig«, so
zeichnete der kleine Antiquar, dem ich in der Markusstadt einige
handschriftliche Hefte abgekauft hatte, die Quittung. Welch ein
Name und welch ein Titel! Mit diesem wollte er gewiß das
Deutsche an den Mann bringen, das er als Korporal in der
österreichischen Armee erlernt hatte; jener veranlaßte ihn,
nachdem ich der Größe seiner Vorfahren gedacht, auf die
Tasche zu schlagen und halb stolz, halb kläglich zu rufen:
»Ja, sie hatten wohl Geld genug; doch wo ist es
geblieben?« »Und haben Sie nichts von ihren Thaten
vernommen?« fragte ich den kleinen Mann, der das
Schnurrbärtchen immer noch militärisch zugespitzt trug.
»Thaten?« fragte er verächtlich. »Wären
sie nur weniger eifrig hinter dem Ruhme her und dafür bessere
Haushälter gewesen! Armes Kind!« Dabei wies er auf die
kleine Marietta, die unter den alten Büchern umherspielte, und
mit der ich schon gute Freundschaft geschlossen. Heute trug sie in den
Ohrläppchen etwas Wunderliches, worin ich bei näherem
Hinsehen zusammengedrehte Zwirnfäden erkannte. Das Kind lehnte
den hübschen Schwarzkopf zutraulich an mich, und wie ich seinen
seltsamen Schmuck befühlte, rief mir von dem kleinen Pulte hinter
dem Ladentische her die helle Stimme seiner Mutter klagend entgegen:
»Ja, Herr, es ist eine Schande, in einer Familie, die der Kirche
drei hohe Heilige gegeben – den Nikolo, die Anna und Eufemia


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