Ein Wort - Georg Ebers - Страница 1 из 401


Sie wissen, eine wie schwere Sorge uns heuer verhindert hat, Wildbad
zu besuchen. Lassen Sie sich's denn gefallen, daß die Arbeit
dieses Sommers an meiner Stelle bei Ihnen anklopft. Sie soll Ihnen
sagen, daß die dreiundzwanzigjährige Freundschaft, welche
mich und die Meinen mit Ihnen und Ihrem Hause verbindet, so frisch und
unveränderlich grünt wie die Edeltannen im herrlichen
Schwarzwald, und daß ich den Dank nimmer vergesse, den ich der
freundlichen Quelle schulde, deren Gaben Sie mit weiser Hand zu
verteilen und für Ihre Schutzbefohlenen nutzbar zu machen
verstehen. Wie gern denke ich an Ihr liebliches Waldtal, diese
Heimat der schattigen Kühlung, diese Wiege des Wohlseins, dies
Füllhorn, welches so vielen Erquickung und Stärkung spendet!
Sie kennen das stille Plätzchen unter den Tannen an der
rauschenden Enz, auf dem ein großer Teil meiner Dichtungen
entstanden ist; Sie sind der Herr des Hauses, in dem wir so oft im
Verkehr mit hervorragenden Männern und edlen Frauen Anregung,
Genuß und heitere Erholung fanden. In Zukunft denk' ich unter
eigenen Bäumen an einem blauen See die Sommerrast zu suchen; aber
auch in Tutzing soll das traute Enztal nicht vergessen werden, und als
Pfand der unwandelbaren Treue bringe ich Ihnen, Ihrem Hause und dem
ganzen lieben Wildbad diese neue, bescheidene Schöpfung dar.
Leipzig, den 10. November 1882 Georg Ebers Erstes
Kapitel »Ein Wort, nur ein Wort!« rief eine frische


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