Im Schmiedefeuer - Georg Ebers - Страница 1 из 658


1281 nach der Geburt des Heilandes war der Mond eben hell aufgegangen
über der Reichsstadt Nürnberg. Wohl fanden seine Strahlen
den Weg in die Straße, die von dem starken Marienturm zum
Frauenthore führte; seinem Verlangen, den Ortliebhof zu
erreichen, stellte sich indes ein Haus, ein Wachtturm und mit
besonderem Glück ein hoher Lindenbaum entgegen. Dennoch gab es
hier etwas zu sehen, das selbst jetzt, wo Nürnberg den Kaiser
Rudolf und so viele weltliche und geistliche Fürsten, Grafen und
Ritter beherbergte, seine Neugier reizte. Zu den glänzenden
Schauspielen freilich, an denen es doch in diesem Juniusmonde zu
Nürnberg nicht fehlte, gehörte dies Etwas mit nichten. Es
war sogar recht still hier; denn dem Kriegsvolke untersagte ein
kaiserlicher Befehl, bei Nacht die Stadt zu durchziehen, und das
Frauenthor, durch das bei Tage Mensch und Vieh genug aus und ein ging,
war längst verschlossen. Von den ehrsamen Bürgern, die so
zeitig zu Bette gingen und sich so früh erhoben, daß sie
sich des Mondlichtes selten lange freuten, kamen hier 2 zu dieser
Stunde nur wenige vorüber. Der letzte, ein ehrsamer
Wollwebermeister, war schief gegangen. Da er den Mond wie alles andere
über sich und um sich her doppelt sah, hatte er sich gefragt, ob
der da oben denn auch eine Gefährtin bekommen? Von der seinen
daheim hatte er keinen freundlichen Empfang zu erwarten. Die
Scharwache, die sich – der Mond wußte noch nicht recht


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