Kleopatra - Georg Ebers - Страница 1 из 606


Zweite Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt.
Stuttgart, Leipzig, Berlin, Wien. 1894.  
  Wilhelm Jordan,
dem Freunde und Dichter
in herzlicher Verehrung
gewidmet.     Vorwort
Wenn dem Verfasser vorgehalten wurde, die sentimentale Liebe
unserer Zeit sei dem heidnischen Altertum fremd gewesen, so wies er
nicht am letzten auf das Liebespaar Antonius und Kleopatra und das
Testament des derben römischen Reitergenerals. Er hatte darin den
Wunsch ausgesprochen, wo er auch stürbe, neben der ihm bis ans
Ende teuern Frau begraben zu werden. Sein Verlangen wurde
erfüllt, und das Liebesleben dieser beiden hervorragenden
Menschen, das der Geschichte angehört, bot schon mehr als einmal
der Kunst und Dichtung einen willkommenen Stoff. Was besonders
die Kleopatra angeht, so ist ihr gesamtes Dasein von einer Romantik
umwoben, die an das Märchenhafte streift. Auch ihre
gehässigsten Feinde bewundern ihre Schönheit und die
seltenen ihr eigenen Gaben des Geistes. Ihr Charakter dagegen
gehört zu den schwierigsten Rätseln der Seelenkunde. Der
knechtische Sinn römischer Dichter und Schriftsteller, denen es
widerstrebte, das Licht, das von der Feindin des Staates und Kaisers
so glänzend ausging, freimütig anzuerkennen, löste es
zu ihren Ungunsten. Was ägyptisch hieß, war dem Römer
verhaßt oder doch verdächtig, und dieser am Nil heimischen


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