Per aspera - Georg Ebers - Страница 1 из 883


Meyer, dem Menschen und Dichter, in Freundschaft und
Bewunderung dargebracht            
                   
                   
vom Verfasser. Erstes Kapitel. Der grüne Vorhang hob
sich allmälich und bedeckte den untern Teil des breiten Fensters
in der Werkstätte des Steinschneiders Heron. Melissa, die
Tochter des Künstlers, war es, die ihn mit gebogenen Knieen und
hochgestreckten Armen tief atmend hinaufzog. »Genug
so!« rief die tiefe Stimme des Vaters ihr ungeduldig zu. Dann
warf er einen kurzen Blick auf die Lichtflut, welche die blendend
helle Sonne Alexandrias heute wie an jedem Herbstnachmittag in die
Werkstätte ergoß. Sobald aber der Vorhang den Arbeitstisch
beschattete, fuhr der Alte fort, ohne der Tochter weiter zu achten,
die fleißigen Finger zu rühren. Nach einer Stunde zog
Melissa wie das erstemal die starke Leinwand, die für ihre Kraft
sicher zu schwer war, unaufgefordert und mit solcher Anstrengung
höher, daß ihr das Blut in das schöne, stille Antlitz
stieg, und wiederum ließ sich vom Arbeitstische her das tiefe
und barsche »Genug so!« vernehmen. Dann wurde wieder
alles still. Nur das leise Pfeifen des arbeitenden Künstlers und
das Hinundher oder ein helleres Aufzwitschern der Vögel in den
Bauern zur Seite des Fensters unterbrach die Ruhe in dem weiten Raume,
bis im Vorsaal die Stimme und die Schritte eines Mannes laut wurden.


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