Serapis - Georg Ebers - Страница 1 из 460


    Stuttgart und Leipzig.
Deutsche Verlags-Anstalt (vormals Eduard Hallberger).
1885.     Meister Josef Kopf,
dem Bildhauer, widmet dieses Buch in alter und treuer
Freundschaft              
                  Georg
Ebers.     Erstes Kapitel. Das
geschäftige Treiben der Stadt war schon seit einigen Stunden zur
Ruhe gekommen, Mond und Sterne zogen lautlos über Alexandria hin,
und auf manches Lager hatte sich ein Traum gesenkt. Es war eine
köstliche, frische, wahrhaft gnadenvolle Nacht, aber wenn auch in
den Straßen und Gassen Ruhe herrschte, so fehlte es doch in
dieser Zeit der Rast an der rechten, die Seelen besänftigenden
Stille. Schon seit einer vollen Woche lag etwas Beklemmendes,
fieberhaft Gespanntes in der Ruhe der Nächte. Die Häuser und
Läden waren so fest verschlossen, als sollten sie nicht nur den
Schlaf vor Störung, sondern Leben und Besitz vor Einfällen
behüten. Statt froher Stimmen tönte schwerer Soldatenschritt
und Waffengerassel von den schlummernden Häusern wider. Wenn
irgendwo römische Kommandorufe oder die erregten Stimmen
schlafscheuer Mönche lauter erschollen, öffnete sich hier
eine Lade, dort eine Pforte, und ein Menschengesicht lugte bang' in
die Straße. Mancher spät Heimkehrende drückte sich,
wenn die Wachen nahten, in ein vertieftes Thor oder an eine von
dunklen Schatten verhüllte Mauer. Wie die Brust des


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