Claus Störtebecker - Georg Engel - Страница 1 из 527


über die Buchenwipfel droben auf den Dünenhöhen
fährt ein Rauschen. In langer Kette wälzt sich das
bewegliche Gold der Sonne durch die aufgescheuchten Zweige. Und
zwischen den grauen Stämmen steht blaß und aufrecht das
Schweigen und starrt mit seinen unbeweglichen Zügen auf die
tanzende See. Das Meer aber spricht. Seine Augen sind bald
tiefblau, bald purpurn, und wild blitzen sie, wenn das Element
herüberruft zu den Kreidefelsen, die sich dicht unter die
Wälder schmiegen wie ein weißes Knie unter ein grünes
Gewand. Was das Meer ruft, das versteht niemand. Denn nur selten
horcht ein menschliches Ohr in den Wind, obwohl es manchmal von dort
klingt, als donnere von draußen eine Forderung herüber oder
ein vergessener Schrei aus fernen Zeiten. Doch zu deuten vermag man
die Sprache des Wassers nicht. Und dann liegt der ungeheure Spiegel
wieder still. Das Abbild des einzelnen strahlt er niemals wider, so
tief man sich auch beugt, aber die Bewegungen des Himmels malt er ab,
der goldne und der silberne Wagen rollen über seine Scheibe, die
Zeiten huschen über ihn hinweg, und ein Kranz von Völkern
faßt ihn ein. Sommerabend. Und in der Rüste des
Tages, gerade als der purpurne Ball sich im Wasser kühlt, da
steigt eine andächtige Stunde herauf. Da stockt der Tanz der
Zeiten über dem Meer, der Zug der Völker wallt deutlicher,
und die Vergangenheit schickt vom Rande des Horizontes ihr
Schattenschiff an die Gestade der Lebendigen. Ich stehe am Ufer


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