Der verbotene Rausch - Georg Engel - Страница 1 из 116


kleinen Katenhause. Die Morgendämmerung stritt sich mit der
Nacht. Fahle Schatten liefen über die Mauern wie graue
Mäuschen, die aus dem Wesenlosen kommen und ins Wesenlose
verschwinden. Da drehte sich Martin Kriews, der ewig Arbeitslose,
das erste Mal auf seinem rot und weiß gewürfelten Strohsack
herum. Ein behagliches, erwachendes Grunzen wurde laut. Dann
stieß er mit der Faust gemütlich, friedvoll nach dem
benachbarten Strohsack herüber.
»Süßing,« gähnte er, »es is all
wieder so'n schönen Tag. Die Sonne scheint. Kuck eins, ganz
rot« – dabei starrte er in die webenden schwarzen Schatten
hinein und hatte das Bewußtsein, daß die Sonne immer
näher auf ihn zuschritte, mit einem kupferroten Gesicht, genau
so wie die Frau des Gastwirts Krey, jene liebreiche Weiblichkeit, die
ihm noch am Abend vorher einen kleinen Kübel des ganz neu
gebrannten Kirsch- und Pfefferminzlikörs mit freundlichem Schwung
in sein ungeheures Paßglas gegossen hatte. Und was das
»Allernüdlichste« war, an die Bezahlung hatte sie im
Drang der Geschäfte wieder vollkommen vergessen.
»Süßing,« erzählte Martin Kriews unbeirrt
zu dem bewegungslosen Strohsack herüber. »Sie liebt mir
woll, Kreyen seine liebe Gattin. Sie lieben mir alle. Überhaupt,
Sophiing, die Menschens auf der Welt sünd doch alle herzensgut.
Ich sag' dich, Sophiing, herzensgut sünd sie alle. Da bün
ich gestern zum Beispiel an den Herrn Landrat von Pitak sein Fenster


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