Die Last - Georg Engel - Страница 1 из 225


Nicht an einer Person hängen bleiben: und sei sie die
geliebteste – jede Person ist ein Gefängnis, auch ein
Winkel. – – Nicht an einem Mitleiden hängen
bleiben: und gälte es höheren Menschen, in deren seltne
Marter und Hilflosigkeit uns ein Zufall hat blicken lassen.
Friedr. Nietzsche Erstes Buch. I. Es
war Tag geworden. Noch immer rieselte der Regen und troff an den
kleinen Fenstern der Krankenstube herunter. Bleigraues Licht stahl
sich zögernd durch die Gardinen und mischte sich mit dem Schein
der Lampe, die auch jetzt noch vor dem Bette brannte. Auf dem
großen Bauerngutshof erwachte einiges Leben. Man hörte
zuweilen ein dumpfes Aufbrüllen der Kühe, und dazwischen das
vereinzelte Rufen der Knechte. Doch klang alles gedämpft, als
fürchte man, die Kranke zu stören. Etwas Totes,
Gedrücktes lag über dem Gehöft; und je mehr das
trübe Sonnenlicht vorrückte, in desto größere
Lautlosigkeit verfiel das Anwesen. In dem weiten, zur ebenen
Erde gelegenen Zimmer wurde ein schwacher Ruf laut. Kränklich,
hohl, gebrochen, ein wenig gereizt klang er, aber so leise die Stimme
auch flüsterte, sofort fuhr aus dem ledernen Sessel neben dem
Bette ein Mann von mächtiger, imposanter Gestalt auf, rieb sich
ein wenig die Augen, strich ein paarmal energisch über seine
dicken, kurzgeschorenen Haare und legte dann seine Finger behutsam auf


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