Briefe an Eltern und Freunde - Gerrit Engelke - Страница 1 из 173


Entschuldige bitte, daß ich nicht eher schrieb. Ich wollte
nämlich bis zur Musterung warten, damit ich Euch endlich gewisse
Nachricht geben konnte. Mittwoch, den 12. 6., war ich zur
Generalmusterung und wurde angesetzt zu:
Krankenwärter-Garnisonlazarett-Hannover. Soviel ich mir denken
kann, wird es kein sehr schwerer Dienst sein. Ich kann mich also
eigentlich nicht beklagen. Außerdem bleibe ich in Hannover. Wenn
ich nicht gerade Handwerker gewesen wäre, dann hätten sie
mich nicht genommen. Der eine Offizier meinte: Maler können wir
eigentlich noch gebrauchen. – Maler werden ja beim Militär
bekanntlich viel beschäftigt, man kann sich also vielleicht noch
etwas nebenbei verdienen. Eingezogen werde ich wahrscheinlich: Ende
September bis Mitte Oktober. Du schreibst von Sparen; daran ist
gar nicht zu denken. Ich hatte mir ja selber vorgenommen, etwas zu
sparen, aber trotzdem ich immer sehr mäßig und solide
gelebt habe, habe ich bis jetzt noch nichts zusammenkriegen
können. Denn arbeitet man bei einem Meister, so geht es vier
Wochen, fünf Wochen, höchstens sechs Wochen gut – und
dann ist die Arbeit wieder zu Ende. Und dann muß nicht nur einer
aufhören, sondern gleich ein halbes Dutzend. Danach meldet man
sich wieder auf dem Arbeitsnachweis an – und kann in
günstigsten Fällen in einer Woche, unter Umständen aber
erst in zwei Wochen wieder Arbeit bekommen. Was man also sparen
könnte, das geht in dieser Zeit natürlich wieder drauf. Man


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