Briefe der Liebe - Gerrit Engelke - Страница 1 из 114


prächtiger Mensch! Wenn ich verraten muß, daß Ihre
frischfrommfröhlichfreie weibmenschliche Art einen
entzückenden Eindruck auf mich gemacht, werden Sie nicht allzu
verwundert sein darüber, daß ich Ihnen zusegle. Ich glaube
mich nicht getäuscht zu haben, wenn ich denke, daß Sie der
rechte Mensch sind, der eines verschlossenen Mannes offene Rede zu
verstehen, würdigen und bewahren weiß. Es ist die
norddeutsche Art von Natur her, daß die Zunge nicht sagen kann,
was das Innere spricht. Sehen Sie, so per Distanz geht's besser.
Wir wollen alle leben! Miteinander. Ist der nicht des
Mitgefühls wert, den sein ganzes Ich zum Einsamsein zwingt? Viel
sind der Bemühungen des Armausreckens zu den andern – doch
was hilft's, wenn der Gegenhändedruck sich versagt und das eigne
Innere sagt: wende dich um, wende dich wieder in dich. Und
dennoch! Wir wollen alle leben miteinander. Mehr noch als sonst,
bin ich jetzt im auflösenden Kriege allein. Allein im
Schützengraben, von der Welt abgeriegelt. Könnten Sie die
weibweiche Ergänzung zu männlicher Härte, Bereicherung
und Aufhebung der Einsamkeit sein – könnte ich von Ihnen
als ein Geschenk das Versprechen Ihrer Mitteilsamkeit mit hinausnehmen
– ich würde aufgelockerter und froher die Tage um mich
fühlen. – Wissen Sie, es hat keinen Zweck,
schneckengleich Fühlhörner auszustrecken, schweifwedelnd
oder gar schmeichelnd sich unwahr und geziert (geschniegelt) einander


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