Drei kurze Prosatexte - Gerrit Engelke - Страница 1 из 34


Laufgrabens, der wie ein langgestreckter Hügelrücken aussah,
in die Nacht und verschwand darin. Der niedrigstehende, dunstigrote
Neumond warf schwache Helligkeit auf die im Graben schlafenden
Soldaten; einige Gewehrläufe blinkten. Marks lag mit dem
Rücken gegen den Wall, blinzelte in den mächtigen Lichtkreis
und mühte sich dann, die ferne Bergkette der Vogesen zu erkennen;
je länger er hinsah, desto mehr flimmerte es vor seinen Augen;
und glaubte er, etwas zu unterscheiden, so zerfloß es schon
wieder, und die Nacht stand wie eine grenzenlose schwarze Wand vor
ihm. Er lag so seit neun Uhr und konnte nicht schlafen; die
Gewißheit, daß es um zwei Uhr nachts zum Hauptangriff
gehen sollte, hatte ihn, der sonst immer gleichmütig war, doch
etwas unruhig gemacht. Er hatte ja auch außer einigen
unbedeutenden Plänkeleien nichts mitgemacht – aber
diesmal galt es den ersten großen Kampf im Kriege. Ungerufen
bohrte Nachdenken in seinem Hirn, und es sauste vor seinen Ohren. Er
hatte erst vor einem halben Jahre seine einjährige Dienstpflicht
abgeleistet und hatte dann gleich wieder sein Medizin-Studium in
Göttingen aufgenommen. Da brach der Krieg aus. Um nicht
vorläufig untätig bei seinem Truppenteil stehen zu
müssen, hatte er sich mit einigen anderen Studenten sofort als
Freiwilliger an die Grenze gemeldet. Man hatte sie in diese Kompanie
gesteckt, um den Mannschaftsbestand, der bei dem ersten, blutig


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