Der Taifun - Hermann Essig - Страница 1 из 428


Susanne Flaubert gefiel es längst nicht mehr in Brüssel.
Ihre Freunde waren außer Landes. Sie saß trübselig in
ihrer Wohnküche. Am Gasbratofen stand Käterchen, ihr
Dienstmädchen, und machte Rühreier. Sie tapfte
gleichgültig und gedankenarm mit dem Löffel in der Pfanne
herum. Zur Vermehrung oder zum Ersatz des Fettgehaltes fielen in
kurzen Abständen die Katarrhtropfen von ihrer Nase in die
Eierpfanne. Susanne hatte dafür kein Auge, ihre Blicke gingen
wissenshungrig durch die Fensterscheiben. Sehr aufmerksam lag aber
Kätzi in Susannes Schoß und sah mit blauen besorgten Augen
nach Käterchen hin. Käterchen hatte sich die Naschsucht
vor den Blicken der Katze allmählich abgewöhnt, denn sobald
sie den Versuch machte, eine Speise zu kosten, tatzte Kätzi mit
der Pfote nach dem Kinn der Herrin. Wie ein unartiges Kind
übte Kätzi am Dienstboten Kritik, paßte auf alles gut
auf, was dieser tat, und durfte sich dabei selber alles herausnehmen.
Käterchen konnte darum die Katze nicht ausstehen. Sie plante
ständig, wie sie die Katze auf geheimnisvolle Weise entfernen
könnte. Da floß hinter dem Hause der Kanal
vorüber. Immer gelüstete es Käterchen, Kätzi
darin, in einen Sack gebunden, mit einem Stein beschwert, zu
ersäufen. Bloß unbemerkt hätte es geschehen
müssen. Zur Ausführung ihrer schwarzen Gedanken kam es
nie. Sie wagte es nicht, den Sack an den unteren Stockwerken
vorbeizuwerfen, auch nicht nachts damit zum Hause hinaus an das Wasser


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