Ahnung und Gegenwart - Joseph von Eichendorff - Страница 1 из 426


Erstes Buch Erstes Kapitel Die Sonne war eben prächtig
aufgegangen, da fuhr ein Schiff zwischen den grünen Bergen und
Wäldern auf der Donau herunter. Auf dem Schiffe befand sich ein
lustiges Häufchen Studenten. Sie begleiteten einige Tagereisen
weit den jungen Grafen Friedrich, welcher soeben die Universität
verlassen hatte, um sich auf Reisen zu begeben. Einige von ihnen
hatten sich auf dem Verdecke auf ihre ausgebreiteten Mäntel
hingestreckt und würfelten. Andere hatten alle Augenblicke neue
Burgen zu salutieren, neue Echos zu versuchen, und waren daher ohne
Unterlaß beschäftigt, ihre Gewehre zu laden und abzufeuern.
Wieder andere übten ihren Witz an allen, die das Unglück
hatten am Ufer vorüberzugehen, und diese aus der Luft gegriffene
Unterhaltung endigte dann gewöhnlich mit lustigen Schimpfreden,
welche wechselseitig so lange fortgesetzt wurden, bis beide Parteien
einander längst nicht mehr verstanden. Mitten unter ihnen stand
Graf Friedrich in stiller, beschaulicher Freude. Er war
größer als die andern, und zeichnete sich durch ein
einfaches, freies, fast altritterliches Ansehen aus. Er selbst sprach
wenig, sondern ergötzte sich vielmehr an den Ausgelassenheiten
der lustigen Gesellen; ein gemeiner Menschensinn hätte ihn leicht
für einfältig gehalten. Von beiden Seiten sangen die
Vögel aus dem Walde, der Widerhall von dem Rufen und
Schießen irrte weit in den Bergen umher, ein frischer Wind


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