Auch ich war in Arkadien! - Joseph von Eichendorff - Страница 1 из 27


Eine Phantasie (1834 oder 1838) Da säß ich denn
glücklich wieder hinter meinem Pulte, um dir meinen Reisebericht
abzustatten. Es ist mir aber auf dieser Reise so viel Wunderliches
begegnet, daß ich in der Tat nicht recht weiß, wo ich
anfangen soll. Am besten, ich hebe, wie die Rosine aus dem Kuchen,
ohne weiteres sogleich das Hauptabenteuer für dich aus. Du
weißt, ich lebte seit langer Zeit fast wie ein Einsiedler und
habe von der Welt und ihrer Julirevolution leider wenig Notiz
genommen. Als ich meinen letzten Ausflug machte, war eben die
Deutschheit aufgekommen und stand in ihrer dicksten Blüte. Ich
kehrte daher auch diesmal nach Möglichkeit das Deutsche heraus,
ja ich hatte mein gescheiteltes Haar, wie Albrecht Dürer,
schlicht herabwachsen lassen und mir bei meinem Schneider, nicht ohne
gründliche historische Vorstudien, einen gewissen germanischen
Reiseschnitt besonders bestellt. Aber da kam ich gut an! Schon auf dem
Postwagen – dieser fliegenden Universität – in den
nächsten Kaffeehäusern, Konditoreien und Tabagien konnte ich
mit ebensoviel Erstaunen als Beschämung gewahr werden, wie weit
ich in der Kultur zurück war. Die Deutschen, fand ich, waren
unterdes französisch, die Franzosen deutsch, beide aber wiederum
ein wenig polnisch geworden; jeder wenigstens verlangt das liberum
veto für sich und möchte in Europa einen großen
polnischen Reichstag stiften. Ich gestehe, daß mir weder das


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