Aus dem Leben eines Taugenichts - Joseph von Eichendorff - Страница 1 из 130


brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee
tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und
tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und
wischte mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem
warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon
seit Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze
schief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: «Du Taugenichts! da
sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen
müde und läßt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann
dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor
der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber
dein Brot.» – «Nun», sagte ich, «wenn
ich ein Taugenichts bin, so ists gut, so will ich in die Welt gehen
und mein Glück machen.» Und eigentlich war mir das recht
lieb, denn es war mir kurz vorher selber eingefallen, auf Reisen zu
gehen, da ich die Goldammer, welche im Herbst und Winter immer
betrübt an unserm Fenster sang: «Bauer, miet mich, Bauer,
miet mich!» nun in der schönen Frühlingszeit wieder
ganz stolz und lustig vom Baume rufen hörte: «Bauer, behalt
deinen Dienst!» Ich ging also in das Haus hinein und holte
meine Geige, die ich recht artig spielte, von der Wand, mein Vater gab
mir noch einige Groschen Geld mit auf den Weg, und so schlenderte ich
durch das lange Dorf hinaus. Ich hatte recht meine heimliche Freude,
als ich da alle meine alten Bekannten und Kameraden rechts und links,


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