Das Schloß Dürande - Joseph von Eichendorff - Страница 1 из 58


Dürande Erzählung (1837) > In der
schönen Provence liegt ein Tal zwischen waldigen Bergen, die
Trümmer des alten Schlosses Dürande sehen über die
Wipfel in die Einsamkeit hinein; von der andern Seite erblickt man
weit unten die Türme der Stadt Marseille; wenn die Luft von
Mittag kommt, klingen bei klarem Wetter die Glocken herüber,
sonst hört man nichts von der Welt. In diesem Tale standen
ehemals ein kleines Jägerhaus, man sahs vor Blüten kaum, so
überwaldet wars und weinumrankt bis an das Hirschgeweih über
dem Eingang: in stillen Nächten, wenn der Mond hell schien, kam
das Wild oft weidend bis auf die Waldeswiese vor der Tür. Dort
wohnte dazumal der Jäger Renald, im Dienst des alten Grafen
Dürande, mit seiner jungen Schwester Gabriele ganz allein, denn
Vater und Mutter waren lange gestorben. In jener Zeit nun geschah
es, daß Renald einmal an einem schwülen Sommerabend, rasch
von den Bergen kommend, sich nicht weit von dem Jägerhaus mit
seiner Flinte an den Saum des Waldes stellte. Der Mond beglänzte
die Wälder, es war so unermeßlich still, nur die
Nachtigallen schlugen tiefer im Tal, manchmal hörte man einen
Hund bellen aus den Dörfern oder den Schrei des Wildes im Walde.
Aber er achtete nicht darauf, er hatte heut ein ganz anderes Wild auf
dem Korn. Ein junger, fremder Mann, so hieß es, schleiche abends
heimlich zu seiner Schwester, wenn er selber weit im Forst; ein alter
Jäger hatte es ihm gestern vertraut, der wußte es vom


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