Die Zauberei im Herbst - Joseph von Eichendorff - Страница 1 из 22


Ein Märchen (1808)
Ritter Ubaldo war an einem heiteren Herbstabend auf der Jagd weit
von den Seinigen abgekommen und ritt eben zwischen einsamen Waldbergen
hin, als er von dem einen derselben einen Mann in seltsamer, bunter
Kleidung herabsteigen sah. Der Fremde bemerkte ihn nicht, bis er dicht
vor ihm stand. Ubaldo sah nun mit Verwunderung, daß derselbe
einen sehr zierlichen und prächtig geschmückten Wams trug,
der aber durch die Zeit altmodisch und unscheinlich geworden war. Sein
Gesicht war schön, aber bleich und wild mit Bart verwachsen.
Beide begrüßten einander erstaunt, und Ubaldo
erzählte, daß er so unglücklich gewesen, sich hier zu
verirren. Die Sonne war schon hinter den Bergen versunken, dieser Ort
weit entfernt von allen Wohnungen der Menschen. Der Unbekannte trug
daher dem Ritter an, heute bei ihm zu übernachten; morgen mit dem
frühesten wolle er im den einzigen Pfad weisen, der aus diesen
Bergen herausführe. Ubaldo willigte gern ein und folgte nun
seinem Führer durch die öden Waldesschluften. Sie kamen
bald an einen hohen Fels, in dessen Fuß eine geräumige
Höhle ausgehauen war. Ein großer Stein lag in der Mitte
derselben, auf dem Stein stand ein hölzernes Kruzifix. Ein Lager
von trockenem Laube füllte den Hintergrund der Klause. Ubaldo
band sein Pferd am Eingange an, während sein Wirt stillschweigend
Wein und Brot brachte. Sie setzten sich miteinander hin, und der


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