Vier feine Freunde und andere Geschichten - Karl Ewald - Страница 1 из 226


Naturwissenschaftliche Märchen Vier feine Freunde
Auf dem Felde dicht hinter der Gartenhecke liegt die Mergelgrube.
Sie besteht aus einem großen, tiefen Loch, dessen Boden mit
garstigem, hellgelbem Wasser bedeckt ist. Auf den Böschungen
wächst nacktes, fahles Gras; und von den großen und kleinen
Steinen, die dort liegen, löst sich von Zeit zu Zeit der eine
oder andere und plumpst klatschend ins Wasser hinab. Über den
Abhang, der dem Garten zugekehrt ist, läßt ein
Haselnußstrauch seine Zweige herabhängen. Sie reichen so
weit über die Grube, daß die Knaben nie an die Nüsse
an der Spitze der Zweige heran können, sondern sich darein finden
müssen, daß die runden braunen Burschen jeden Herbst in die
Mergelgrube hinabfallen. Wenn die Sonne so recht glühend
herniederbrennt, dann kommt wohl vom Felde eine durstige Kuh und
hält ihren großen, gehörnten Kopf über den Rand
und brummt, weil sie nicht an das Wasser gelangen und trinken kann,
und dann geht sie wieder ihrer Wege. Sonst ist's immer still an der
Mergelgrube. Aber im vorigen Sommer trafen sich ganz oben auf dem
Abhang unter der Haselnußhecke jeden Abend bei Sonnenuntergang
vier feine Freunde. Eine seltsame Freundschaft verband sie, denn
jeden Abend waren sie nahe daran, einander aufzufressen. Und doch
vertrugen sie sich schließlich immer wieder und plauderten eine
halbe Stunde vernünftig zusammen. Da war zunächst die


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