Ein Weib ein Wort - Marianne Ehrmann - Страница 1 из 62


Fragmente für Denkerinnen 1789 Vorerinnerung Der
Beifall, mit welchem die Leserinnen der Frauenzimmerzeitung mein in
dieselbe gelieferte kleine Fragmente für Denkerinnen beehrt
haben, muntert mich auf, der Bitte meiner Freunde nachzugeben und die
ganze Sammlung meiner bei verschiedener Laune und bei verschiedenen
Vorfällen hingeworfenen Gedanken den Lekturfreundinnen
vorzulegen. Meine Freunde, die mich zu diesem Schritte beredeten,
mögen es verantworten, wenn die Herren Kritiker sich über
die Freimütigkeit entrüsten, mit der ich diese Gedanken
niederschrieb. Das Bewußtseyn meines Herzens wird mich
übrigens für alle schiefe Urtheile schadlos halten. Meine
Absicht war gut. Es ist mir leid, wenn ich über manche
Gegenstände anders denke als andere. Es ist nun so! – Ich
will meine Grundsäzze Niemanden aufdringen. Finden sie nur hie
und da ein offnes Herz – so bin ich hinreichend belohnt. Verf.
d. Ph. e. W. Kleine Fragmente Für Denkerinnen Von
Der Frau Verfasserinn der Philosophie eines Weibs Warum
nützt das Lesen so vielen Frauenzimmern so wenig? – Weil
sie selten so lesen, wie sie lesen sollten, weil sie meistens nur das
benutzen, was ihren Lieblingsleidenschaften schmeichelt, weil die
wenigsten Leserinnen bei dieser Beschäftigung denken; weil sie
oft gar nicht wissen, was sie lesen. Ueberhaupt die Kunst, gut
und mit Nutzen zu lesen, ist nur denen eigen, die denken, und die


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