Die Freiherren von Gemperlein - Marie von Ebner-Eschenbach - Страница 1 из 68


Erzählung (1889) I Das Geschlecht der Gemperlein
ist ein edles und uraltes; seine Geschicke sind auf das innigste mit
denen seines Vaterlandes verflochten. Es hat mehrmals glorreich
geblüht, es ist mehrmals in Unglück und Armut verfallen. Die
größte Schuld an den raschen Wandlungen, denen sein Stern
unterworfen war, trugen die Mitglieder des Hauses selbst. Niemals
schuf die Natur einen geduldigen Gemperlein, niemals einen, der sich
nicht mit gutem Fug und Recht das Prädikat «der
Streitbare» hätte beilegen dürfen. Dieser
kräftige Familienzug war allen gemeinsam. Hingegen gibt es keine
schrofferen Gegensätze als die, in denen sich die verschiedenen
Gemperlein-Generationen, in bezug auf ihre politischen
Überzeugungen, zueinander verhielten. Während die einen
ihr Leben damit zubrachten, ihre Anhänglichkeit an den
angestammten Herrscher mit dem Schwerte in der Faust zu betätigen
und so lange mit ihrem Blute zu besiegeln, bis der letzte Tropfen
desselben verspritzt war, machten sich die andern zu Vorkämpfern
der Revolte und starben als Helden für ihre Sache, als Feinde der
Machthaber und als wilde Verächter jeglicher Unterwerfung.
Die loyalen Gemperlein wurden zum Lohne für ihre energischen
Dienste zu Ehren und Würden erhoben und mit ansehnlichen
Ländereien belehnt, die aufrührerischen zur Strafe für
ihre nicht minder energische Widersetzlichkeit in Acht und Bann getan


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