Die Resel - Marie von Ebner-Eschenbach - Страница 1 из 22


März zwischen Okuli und Lätare. Der Graf und die Gräfin
hatten sich in ihrer neueingerichteten Wohnung im Forsthause des
Reviers Fichtenberg einquartiert, um die Zeit des Schnepfeneinfalls
gehörig auszunutzen. Da erlagen viele der geflügelten
Reisenden, die eine Zuflucht in den feuchten Niederungen der
Nadelwälder gesucht hatten. Je blutiger der Tag gewesen, je
vergnügter kehrten die Jäger heim, je liebenswürdiger
wurde der Herr Oberförster zum Abendessen geladen. Die kleine
Gesellschaft nahm das Mahl in einem traulichen holzgetäfelten
Zimmer ein, das von einem stark geheizten Kachelofen fast
übermäßig erwärmt und von den vier Kerzen eines
Hirschweibchenlüsters ziemlich spärlich erhellt wurde.
Die Ereignisse des Tages hatten den Stoff zum Tischgespräche
geliefert. Beim schwarzen Kaffee begann der Graf in seiner breiten und
äußerst gutmütigen Art den Stand der Waldungen zu
loben. »Das ist ein Unterschied«, sagte er,
»zwischen den meinigen und den fürstlichen, wo wir im
Herbst gejagt haben.« Man rauchte; die Gräfin, die sich
die größte Zigarre angebrannt hatte, sprang plötzlich
auf, lief zum Fenster öffnete es weit und sprach, dampfend wie
ein Schlötchen: »Alles gut bei Ihnen, mein lieber Herr
Ruppert, nur Ihre Leute nicht. Die Hausdiener feuern einen aus dem
Zimmer und Ihre Jäger – eine Sippschaft... mein
Großvater würde sagen: ›Wie wenn's die Tauben
zusammengetragen hätten.‹« »Ja, ja, sie


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