Gedichte - Marie von Ebner-Eschenbach - Страница 1 из 6


                 
  »A loadi's Erdbeer-Jahr, natürli, gel'?
Am Benno-Tag, der Frost, der hat's dawischt!« –
sprach sie mich an und lächelte dazu
mit welkem Mund und wasserblauen Augen,
so harmlos wie ein Kind, die dürre Alte.
    »Recht schlimm für uns, und schlimmer
noch für Euch,«
erwidert' ich, »Ihr kommt um den Verdienst,
den besten wohl im Sommer.«
                 
                   
            »Ich? No wiss'ns,
geit's ihrer weni, wern's halt besser zahlt
die Erdbeer, gar die schöni, aus'm G'stoan,
wie ebba selli da!«
                 
              Sie rückt
hinweg
den Deckel ihres Korbs, und drinnen lagen
auf Tannenreislein und auf frischen Blättern
Erdbeeren, duftend und so purpurrot,
daß schon ihr Anblick eine Labung war.
Der Alten bot er wahren Hochgenuß:
»Die wachs'n auf'n Stauf'n, in die Schlucht'n,«
sagt sie und hebt voll Finderstolz ihr Körbchen.
    Ich hätte seinen Inhalt gern erworben;
er war verkauft. Vom Berge kam die Frau
nach langem Tagewerk, war hungrig jetzt,
ein wenig müd' und sehnte sich nach Hause.
»Es warten Eurer,« meint' ich, »Eure Kinder
und kleine Enkel dort.«
                 
                   


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