Krambambuli - Marie von Ebner-Eschenbach - Страница 1 из 16


(1884) Vorliebe empfindet der Mensch für allerlei Dinge und
Wesen. Liebe, die echte, unvergängliche, die lernt er –
wenn überhaupt – nur einmal kennen. So wenigstens meint der
Herr Revierjäger Hopp. Wie viele Hunde hat er schon gehabt, und
auch gern gehabt; aber lieb, was man sagt lieb und unvergeßlich,
ist ihm nur einer gewesen – der Krambambuli. Er hatte ihn im
Wirtshause zum Löwen in Wischau von einem vazierenden
Forstgehilfen gekauft oder eigentlich eingetauscht. Gleich beim ersten
Anblick des Hundes war er von der Zuneigung ergriffen worden, die
dauern sollte bis zu seinem letzten Atemzuge. Dem Herrn des
schönen Tieres, der am Tische vor einem geleerten
Branntweingläschen saß und über den Wirt schimpfte,
weil dieser kein zweites umsonst hergeben wollte, sah der Lump aus den
Augen. Ein kleiner Kerl, noch jung und doch so fahl wie ein
abgestorbener Baum, mit gelbem Haar und spärlichem gelbem Barte.
Der Jägerrock, vermutlich ein Überrest aus der vergangenen
Herrlichkeit des letzten Dienstes, trug die Spuren einer im nassen
Straßengraben zugebrachten Nacht. Obwohl sich Hopp ungern in
schlechte Gesellschaft begab, nahm er trotzdem Platz neben dem
Burschen und begann sogleich ein Gespräch mit ihm. Da bekam er es
denn bald heraus, daß der Nichtsnutz den Stutzen und die
Jagdtasche dem Wirt bereits als Pfänder ausgeliefert hatte und
daß er jetzt auch den Hund als solches hergeben möchte; der


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