Der Invalide - Max Eyth - Страница 1 из 50


ordentlich beim Herrn Forstrat und bescheiden!« Die
großen, schwarzen Augen des »Kleinen« strahlten voll
Übermut und Zuversicht. Er ließ sich noch einmal das
Halstuch zurechtrücken, den Hut, der eine verzweifelte Vorliebe
für das linke Ohr zu haben schien, genau zentrieren, mit der
Bürste über den grünen Rockkragen und mit dem Kamm
durch die glänzenden Haare fahren, strich sodann selbst zweimal
den zarten Flaum auf der Oberlippe, wobei das Mütterlein
verstohlen an ihm hinaufsah und lächelte, und war fertig. Ein
Händedruck, ein munteres Adieu, und schon krachte die morsche
Treppe unter seinem kräftigen Tritt. »Er hat noch eine
halbe Stunde Zeit«, flüsterte die Mutter mit einem kaum
unterdrückten Seufzer. Still setzte sie sich dann an dem
verlassenen Nähtischchen nieder und sah gedankenvoll die engen
Gassen des Städtchens hinauf. Mutterliebe und Sorge Sind wohl das
Gleiche. Man ist sehr anständig in Nußweiler. Man war's
vor zwanzig, dreißig Jahren noch viel mehr. Jedermann, der sich
zu den Honoratioren rechnete, wußte das, und fügte sich
darein. Ob sich der junge Forstassistent nicht dazu rechnete, oder ob
er's nicht wußte, bleibe unentschieden. Tatsache ist, daß
nach fünfzig Schritten sein Hut so schief auf seinen Haaren
saß als je, und daß er in den Kot getreten war, der zum
Zweck der Straßenreinigung in Haufen angesammelt wurde, um ein
Trottoir anzudeuten. Dieser letztere Umstand regte ihn auf. Er


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