Die ersten Tanzschuhe - Max Eyth - Страница 1 из 36


gemütlichen Stunde, in der die Minuten vorüberschleichen,
wie die Lämmlein am Himmel, so friedlich und stille, die gute
schwäbische Reichsstadt, mein liebes Heilbronn, vor die Seele
tritt, wie sie vor so und so vielen Jahren gewesen ist, da weiß
ich oft nicht: möchte ich lieber lächeln oder weinen. Damals
freilich sah's noch anders aus als jetzt! Hohe, graue Stadtmauern
umschlossen das Herdlein der Häuser, die sich fast ängstlich
ineinander hineingedrängt hatten; in den halb ausgetrockneten
Stadtgraben, diesen Bildern des Friedens, sangen abends die
Frösche ihr trauliches Lied und ließen sich kaum von den
mutwilligen Buben unterbrechen, welche Pfützen und Lachen redlich
mit ihnen zu teilen suchten; und über Mauern und Gräben
herein schaute der alte Wartturm und das Häuschen daneben und
lockte Blick und Gedanken zu sich hinauf; welches schöne
Heilbronner Kind aus jener Zeit wußte nicht davon zu sagen? Die
Mauern hat man jetzt eingerissen und die Gräben haben sie
aufgefüllt; die Häuser rücken auseinander, als ob sie
sich voreinander fürchteten; die Straßen werden länger
und gerader; nur der Wartberg sieht noch auf sie herunter mit Turm und
KnopfDer Turm auf dem sog. Wartberge, dem Hauptvergnügungsorte
der Heilbronner, hatte das Eigentümliche, daß er auf dem
Dache eine kolossale kupferne hohle Kugel trug, »Knopf«
genannt, in welcher zwölf Personen bequem (und unbequem sogar
vierundzwanzig Personen) Platz fanden. Dieser »Knopf«


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