Im Strom unsrer Zeit - Band 2 - Wanderjahre - Max Eyth - Страница 1 из 444


Werks schlossen meine »Lehrjahre«; aber nur auf dem
Papier. In Wirklichkeit schließen sie hoffentlich erst mit dem
vierten, »Ruhejahre«, den ich nie schreiben werde. Im
zweiten lasse ich »Wanderjahre« beginnen. Das ist deutsche
Art, die alles hübsch in Fächlein und numerierte Aktendeckel
zu ordnen liebt und sich wenig darum kümmert, daß das Leben
unsre niedlichen Schulmeisters- und Amtsweisen nicht beachtet, ja
nicht einmal kennt. Was aber diese Bände enthalten, ist Leben,
hoffe ich, mit all seiner Unordnung, seinem ziellosen Aufundab und
Hinundher, wie der geneigte Leser schon längst bemerkt und wohl
auch beklagt haben wird. So mag beispielsweise mancher einwenden:
in diesen Lehrjahren werde schon so viel gewandert, daß sie
ebensogut Wanderjahre heißen könnten. Deutschland, England,
Ägypten und die amerikanischen Nordstaaten sind allerdings eine
etwas geräumige Werkstätte für einen Lehrling. Bot aber
nicht jeder ihrer vier Winkel immer wieder neuen Stoff zum Lernen in
fast überwältigender Fülle? Nun erst kam
allmählich die Zeit heran, anzuwenden, was sie mich gelehrt
hatten, wenn ich als brauchbarer Geselle mein Brot verdienen wollte
und »mein Salz wert war«. Dies ist in unsern Tagen nicht
anders als zur Zeit der alten Zünfte, wo noch Zucht und Sitte und
eine hohe Obrigkeit jeden Schritt im Leben unsrer Väter
vorschrieb. Manches, was mir in den nächsten Jahrzehnten
begegnete, wird der vorliegende Band schildern. Er gibt ein Bild der


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