Mönch und Landsknecht - Max Eyth - Страница 1 из 213


der fahle, kupferfarbene Schein des bedeckten Herbsthimmels in eine
düstere Klosterzelle und erleuchtete kaum noch den Vordergrund
des engen, hochgewölbten Gemachs. Dort saß, über
den schwarzen Pult gelehnt, ein Mönch. Er hatte seine weiße
Kutte nachlässig zurückgeschlagen und las, ohne
aufzublicken, in einem alten, vergilbten Folianten. Um ihn her lagen
Zirkel und Karten – diese mit wunderlichen Zeichen bemalt. Eine
Sanduhr lehnte halbumgeworfen an einem unvollendeten Sternglobus.
Überall herrschte eine gewisse Unordnung, um die sich jedoch der
Mönch, in sein Manuskript vertieft, gar wenig zu bekümmern
schien. Es schien wirklich, als wäre ihm die ganze Welt entleidet
und als hätte er selbst alles im Unwillen so greulich
durcheinandergeworfen. Im dunkeln Hintergrunde der Zelle stand,
kaum noch erkennbar, ein kunstloser Herd, von dem zuweilen eine
bläuliche Flamme emporschlug. Ehe sie dann wieder hinabsank,
ließ sie einen großen, schwarzgebrannten Kessel sichtbar
werden, der an einer eisernen Kette darüberhing. Nichts
unterbrach die lautlose Stille als das Zischeln des kochenden
Gebräus oder ein leiser, knisternder Ton, wenn der Mönch ein
Blatt seines Buches umwandte. Nur manchmal heulte auch ein
Windstoß das Tal herauf und schnellte die prasselnden
Regentropfen gegen die Scheiben. Plötzlich fuhr der
Mönch empor. Seine schwarzen, stechenden Augen richteten sich
flüchtig auf die lodernde Flamme. Dann schlug er heftig das Buch


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